Das „Theater im Roßstall“

Unser Theater ist das einzige Theater der Stadt Germering mit eigenem Haus, das ohne Subventionen für den Spielbetrieb arbeitet, seit rund 30 Jahren fast immer ausverkauft ist und dadurch sein Überleben sichert.
Entstanden ist das Ganze aus der Theaterbegeisterung von Ralph Ott, der auch Begründer unseres Vereins, Freundeskreis Germeringer Bürger e.V., ist (Weitere Informationen finden Sie unter „Verein“). Er gründete 1977 eine Laienspielgruppe. Von Anfang war klar, dass kein Mundarttheater gespielt werden sollte. Heimatliches Kolorit gab und gibt es dafür bei an- deren Veranstaltungen des Vereins und bei diversen Vereinen der Stadt Germering.
Die erste Aufführung mit dem von Ott selbst geschriebenen Stück „Wer denkt schon an Bethlehem“, fand noch in einem privaten Kellerraum statt. Mit dem Mysterienspiel „Zum Erwachen Blumen“ stellte sich die Theatergruppe im Rahmen der 1. Germeringer Kulturtage das erste Mal einer großen Öffentlichkeit in der Alten Dorfkirche St. Martin vor. Nach dem Ausbau des „Kleinen Roßstall“ war am 5. Juni 1980 Premiere von Otts „Germeringer Roßstallbrettl“. Es folgte im Rahmen der 2. Germeringer Kulturtage „Vater braucht eine Frau“ von Ch. Bock. Die Theatergruppe hatte nun bereits einen so guten Ruf, dass alle Karten in kürzester Zeit vergriffen waren. Als letztes Stück im Kleinen Roßstall wurde das Ott-Stück „Wo ist Bubu“ aufgeführt.
Mit dem satirischen Schauspiel „Nachtspinnen“ von Ralph Ott begann die Theater-Ära im großen Saal. 1986 begeisterte Ott mit seiner turbulent-nachdenklichen Burleske „Der Riss“ die Zuschauer.
Otts eigene Satire „Der Kulturpreis“, das Stück „Der Riß“ und 1988 „Der Johannisbrunnen“ waren die letzten von ihm geschriebenen erfolgreichen Stücke. Die Zeit der eigenen Stücke neigte sich ihrem Ende zu, denn er hatte nicht mehr genügend Zeit und Muße, alle Stücke selbst zu schreiben. Der erste Versuch professionelle Theaterstücke ins Programm
aufzunehmen startete im April 1986 mit dem Drama „Kein Platz für Idioten“ von Felix Mitterer. Es wurde ein Volltreffer und war mit 21 Aufführungen und 2730 Besuchern ein Riesenerfolg. Der Einstieg in die professionelle Komödie fand im April 1988 statt. Inszeniert wurde „Wie man eine Regierung stürzt“ von W. Herzog. Es folgten viele weitere Komödien, von denen nur einige erwähnt werden sollen: „Halb auf dem Baum“ von Peter Ustinov, „Ein Zwilling kommt selten allein“, „Pepsie“ von Pierette Bruno und „Hotel Mimosa“ von Pierre Chesnot und „Alles auf Krankenschein“. „Leichte Kost ist Schwerarbeit“, heißt es in Fachkreisen, dennoch gab es im Roßstall nicht nur Komödien. Die beiden Psychothriller „Extremities“ und „Grüne-Witwen-Spiele“, das Schauspiel „Von Mäusen und Menschen“, „Königin Mutter“, „Fahrstuhl zwischen den Welten“ das gesellschaftskritische Drei-Stunden-Epos „Jonny Belinda“ sind nur einige Beispiele für gelungenes Theater, das sich mit professionellen Theatern durchaus messen lassen konnte.
2005 führte Ralph Ott bei dem Psycho-Krimi „Die Falle“ von Robert Thomas zum letzten Mal Regie. Im Januar 2006 verstarb Ralph Ott. „Er hat sich in einzigartiger Weise um das Germeringer Kulturleben verdient gemacht“, sagte Oberbürgermeister Peter Braun. Der Freundeskreis Germeringer Bürger trauert um seinen ersten Vorsitzenden und sagt Danke für den unermüdlichen Einsatz für „seinen Verein“.
Dem Roßstall-Vorstand stellte sich nun die Frage: Wie soll der Spielbetrieb aufrechterhalten, das „Überleben“ des Hauses gesichert werden? Die beiden nächsten Stücke, „Es war die Lerche“ und „Der tollste Tag“ inszenierten zunächst Externe. Für „Es war die Lerche“ konnte der große Theaterintendant Günther Fleckenstein, der in Germering wohnt, gewonnen werden. Den „Tollsten Tag“ inszenierte Stefan Pirzer. Mit der Komödie „Verflixte Lügen“ hatte 2004 Willi Hörmann sein Debüt als Regisseur. Anschließend folgten noch viele von ihm inszenierte Stücke: 2007 „Der Bär/Der Heiratsantrag“; „Der Widerspenstigen Zähmung“; 2008 „Marta Marina“; „Der Kontrabass“ usw. 2008 übernahm Gabi Lodermeier die Regie in Molières „Der eingebildete Kranke“. 2009 feierte Cecilia Gagliardi mit dem Stück „Kleine Eheverbrechen“ als Regisseurin einen gefeierten Einstand und hat seit dieser Zeit viele weitere Inszenierungen erfolgreich übernommen. 2009 „Der Revisor“; 2010 „Offene Zweierbeziehung“; „Blütenträume; 2011 „Außer Kontrolle“. usw. usw. 2013 mit „Gretchen 89ff“ führten Willi Hörmann und Cecilia Gagliardi gemeinsam Regie und standen auch gemeinsam auf der Bühne. 2014 wurde ein sehr erfolgreiches Theaterjahr mit drei Inszenierungen: „Achterbahn“; Sommertheater: “Adam Adieu“ und „Geliebte Diva“. Das Jahr 2015 begann im Frühjahr mit „Liebe, Leid und alle meine Kleider“ und wird im Herbst mit „Ganze Kerle“ und „Josef und Maria“ fortgesetzt.
In diesen 30 Jahren sind natürlich unzählige Schauspieler in unserem Hause tätig gewesen. Viele waren nur einmal tätig, manche haben unser Haus geprägt, einige haben auch Karriere als Schauspieler oder Sprecher gemacht. Viele dürfen nicht unerwähnt bleiben: Eine kleine, unvollständige Auswahl: Langjährige Ensemblemitglieder: Inge Köppl, Irma Wachter, Monika Bujinski, Anja Neukamm, Inge Poltinger, Eva-Maria Hörmann, Julia Obermayer, Karin Börner usw. Willi Hörmann, Klaus Liebergall, Oliver Kübrich, Christian Koch, Andi Wißmeier, Peter v. Mende, Stephan Roth, Hubertus Janke, usw. usw.
Wunderbare Ensemblemitglieder sind: Gabriele Misch, Monika v. Witzleben, Kirstin Fischer, Caroline Senninger, Daniela Fiegel, Fiorina Schröder, Mike Meister, Thomas Leicht, Chris Stacey, um nur einige zu nennen.
Leider zu früh verstorben sind: Edelgard Löbner, Julia Obermayer, Gertrud Schustereder, Hannelore Gramenz, Klaus Liebergall, Stefan Zielbauer, Werner Schüler.
Doch was wären die Schauspieler vorne auf der Bühne, wenn es die unsichtbaren, unentbehrlichen guten Geister hinter der Bühne nicht geben würde: Licht, Ton, Bühnenbau: Siegfried Wachter, seit Jahrzehnten undenkbar ohne Siegfried (natür- lich auch die Elektrik fürs ganze Haus). Zu Ralph Otts Zeit war Werner Flaschel für den Bühnenbau und alles „Drum herum“ zuständig. Danach Willi Hörmann. Souffleusen: Jahrzehnte arbeiteten Nelly Kessler und Edith Kleemann in diesem nicht einfachen Job. Jetzt: Melanie Schade und Katrin Kessler. Maske: Hannelore Gramenz, ebenfalls viele, viele Jahre dem Theater treu ergeben (leider zu früh verstorben). Heute hilft Daniela Fiegel, wenn es das Stück erfordert. Ausstattung und Requisite: Karin Börner hat diesen Bereich jahrelang mit Bravour ausgeübt. Heute erledigt Willi Hörmann diesen Job. Regie: Ralph Ott hat während seiner langjährigen Zeit als Vorsitzender des Vereins, auch in allen Produktionen Regie geführt. Nach seinem Tod übernahm Willi Hörmann, nach einem Gastspiel von Günther Fleckenstein und Stefan Pirzer, die Regiearbeit, bis Cecilia Gagliardi, ein Glücksfall für das Theater im Roßstall, fast alle Regiearbeiten übernahm. Auch die vor einigen Jahren ins Leben gerufene „Bühne 2“ ist ein „Kind“ von Cecilia und wurde von ihr bis 2016 mit Bravour geführt.
Für das „Theater im Roßstall“ wird nun langsam, aber sicher ein Generationenwechsel stattfinden, ja wird stattfinden müssen. Ein gesunder Betrieb und das ist unser Theater, lebt, wie jeder andere Betrieb auch, von Erneuerung, von Innovation und von neuen Ideen. Das wird nicht ohne Schmerzen und Geburtswehen von statten gehen, aber um das wunderbare „Theater im Roßstall“ zu erhalten, muss dieser Weg beschritten werden.